Der frühe Vogel kann mich mal!
Als ein Relikt aus der (vor)industriellen Zeit lastet dieses Phänomen noch immer schwer auf unserer heutigen Gesellschaftsstruktur. Es entstammt einer Ära, in der man sich durch diesen fast selbstgeißelungsartigen Akt einen evolutionären Vorteil im Kampf um sein täglich Brot versprach. Die Rede ist vom Frühaufstehen!
Als vollkommen veraltetes Prinzip hat es sich doch bis in die heutige Zeit gerettet. Obwohl weithin bekannt ist, dass die menschliche Leistungsfähigkeit, bei abrupter Schlafunterbrechung, wie sie entweder durch Piepen, laute Musik o.Ä. herbeigeführt wird, nicht mehr gewährleistet werden kann und somit alle Arbeit die der Mensch im halbschlafartigen Zustand des, den ganzen Tag andauernden Vorsichdämmerns, nur mit suboptimalen Ergebnissen beenden kann, überlebte diese sinnbefreite und schädigende Maßnahme zur Beendigung des Schlafzustandes.
Um den frühen Frühaufstehern ihr frühes Aufstehen in einer Weise schmackhaft zu machen, wurde Ihnen, durch in Sprichwörtern verankerten Lügen, glaubhaft gemacht, dass sie beim erfolgreichen Frühaufstehen ein Edelmetall in ihrer Mundhöhle vorfinden würden, was natürlich eher seltener der Fall war. Auch den gefallenen Erzengel sollten sie durch Frühsaufstehen bezwingen können.
Ich sage: Alles Blödsinn. Tod dem frühen Vogel!
(Ja, ich wurde heute früh geweckt, nein, ich weiß nicht warum, ja, deshalb bin ich grad schlecht drauf, nein, Gold habe ich auch nicht gefunden, ja, mir ist bewusst, dass das Sprichwort auf die lateinische Morgenröte anspielt, die Gold in Mund und Haar trägt. Ach und ja, ich ziehe um sieben Uhr morgens an einem Wochenendstag den schlafenden Zustand dem wachen vor!)
